30 Jahre Wende – Fim- und Gesprächsreihe

30 Jahre Wende

Umkämpfte Erinnerungen & verschüttete Erfahrungen

Film- und Gesprächsreihe in der Magdelstube im Winter 2019

In diesen Tagen jähren sich die Wendeereignisse vom Herbst 89 zum 30. Mal. Selten war die Erinnerung an sie und ihre politische Deutung so umkämpft wie gegenwärtig. Schon Pegida hatte versucht, an die Leipziger Montagsdemonstrationen anzuschließen und heute geriert sich die AfD mit dem Slogan „Vollende die Wende“ als Fortsetzung und Verwirklichung der „friedlichen Revolution“.

Wer dieser Vereinnahmung von Rechts entwas entgegensetzen will, kann sich aber auch nicht auf die herrschende Erzählung zurückziehen, die die deutsche Wiedervereinigung als zwangsläufige Folge der Proteste und als Erfüllung der Demokratisierungsforderungen beschreibt. Vielmehr ist nach den verschütteten Erfahrungen, den verdängten Zielen, den verlorenen Kämpfen und danach zu fragen, was in diesem Prozess tatsächlich unvollendet geblieben ist. Wir wollen euch einladen, anhand von Vorträgen, Filmen und Diskussionsrunden mit uns über diese Fragen ins Gespräch zu kommen.

 

Folgende Veranstaltungen finden im Rahmen der Film- und Gesprächsreihe in der Magdelstube statt:

 

07. November | 18 Uhr  | Der Herbst 1989 in Jena in Fotos und Dokumenten

Gemeinsam mit dem Journalisten Frank Döbert wollen wir einen Blick auf die Ereignisse und Hintergründe der sogenannten Friedlichen Revolution in Jena werfen: Was wollten die Oppositionsgruppen? Wie reagierten SED, Staatssicherheit, Polizei und Kampfgruppen? Wozu Bunker und Isolierungslager? Was passierte mit den Akten? Viel Raum für Diskussionen und persönliche Geschichten.

21. November | 18 Uhr  | „Neues in Wittstock“ – Film und Gespräch

Volker Koepp hatte in seiner Dokumentationsreihe Textilarbeiterinnen aus der brandenburgischen Kleinstadt über 20 Jahre begleitet. Er schildert ihre Lebensgeschichten, ihren Alltag, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen. Der VI. Teil der Reihe dokumentiert die Umbruchszeit der 90er Jahre: die Abwicklung des Betriebs, die Entlassung des Großteils der Beschäftigten und deren Sicht auf das Geschehen.

05. Dezember | 18 Uhr | „Bischofferode: Das Treuhand-Trauma“ – Film und Diskussion

Im Sommer 1993 treten die Kumpel der Kaligrube in Bischofferode in den Hungerstreik, um ihr Werk vor der Schließung zu bewahren. Die MDR-Dokumentation (2018) zeichnet ihren beeindruckenden Arbeitskampf nach und wirft Fragen zum Widerstand gegen die Treunhandanstalt auf, die wir im Anschluss mit dem Historiker Till Goßmann diskutieren wollen.

12. Dezember | 18 Uhr | „Die Wahrheit liegt (lügt) in Rostock“ – Film und Gespräch

Zwischen dem 22. und dem 26.08.1992 kam es im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen zu rassistischen Angriffen auf AsylbewerberInnen und VertragsarbeiterInnen und einer tagelangen Belagerung ihrer Wohnheime. Der deutsch-britische Film (1993, 78min) ist eine Montage von Videomaterial, welches die pogromartigen Ausschreitungen dokumentiert.

 

Die Veranstaltungen findest Du auch in unserem Kalender.